Die Rigi ist mehr als ein Berg

Zwölf Frauen aus Gächlingen wanderten Mitte August über die Rigi – weiter als man

ahnt. (Text von Marianne Näf-Bräker)

Auf dem Schiff von Luzern nach Vitznau zogen die reiselustigen Turnerinnen aus Gächlingen alles an, was sie von der Kälte und Nässe schützte. Der erst Reisetag war „Frauenriegenwetter“, wie es in den letzten Jahren so oft vorkam. In der nostalgischen Zahnradbahn ging’s langsam und steil auf den berühmten Aussichtspunkt, bis zur Station Rigi Kaltbad. Eine Touristengruppe aus dem Nahen Osten jauchzte im Nebenabteil vor Begeisterung – oder eher vor Angst, weil die Bahn bedrohlich schief am Berg klebte? Oberhalb der Station bezogen die Turnerinnen die gemütlichen Hotelzimmer im „Alpina“. Nach einer kleinen Stärkung spazierten sie auf einem Rundweg über die Staffelhöhe und Rigi First wieder zu ihrem Logis zurück. In der Felsenkapelle, auf dem Aussichtspunkt Känzeli und im Restaurant BärgGnuss legten sie Pausen ein, um kulturelle, geografische und kulinarische Entdeckungen zu machen. Zurück in Kaltbad vermochte das Mineralbad keine Turnerin anzulocken. Sie verbrachten die Zeit vor dem gemeinsamen Nachtessen lieber beim Lädele und im Apéro.
Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre. Was die Wolken am Vortag noch verhüllt hatten, zeigte sich nun in klarem, hellen Licht: Berggipfel an Berggipfel – und immer wieder der See. Im Lauf des Tages konnten die Frauen jeden Arm des verzweigten Vierwaldstättersees von oben bewundern. Die Zahl der Segelschiffe vermehrte sich stündlich. Dank einer ortskundigen Turnerin zweigten die Wanderinnen vom breiten auf den schmalen Weg ab und erreichten über Kuhweiden und an Fliegenpilzen vorbei den Weiler „Rigi Burggeist“. Zweitwohnungen vom Chalet bis zum futuristischen Betonbunker stehen am Wegrand und schauen ins Tal.  Den Abstieg zum Gätterlipass, unterbrochen durch eine kurze Mittagsrast, schafften alle ohne Fehltritt. Mehr oder weniger geradeaus führte die letzte Wegstrecke durch den Wald bis zum Aussichtspunkt „Timpel“ oberhalb Brunnen. Im Berggasthaus mit wunderbarem Kuchen und origineller Bedienung gönnten sich die Frauen den herrlichen Ausblick auf den Urnersee, bevor sie mit der Luftseilbahn in wenigen Minuten nach Brunnen hinunterflogen. In überfüllten, aber pünktlichen Zügen ging’s Richtung Norden. Was die Frauen beim Wandern schon geahnt hatten, bestätigte sich beim Blick von unten: Die Rigi ist nicht einfach ein Berg, sondern ein ganzes Massiv mit Berghäusern, Bahnen, Weiden, Wäldern und ganz vielen Wanderwegen.

Bildergallerie    Bilder von Marianne Näf-Bräker und Jeanette Kraft